Als ich damals von dieser Insel nach Österreich zurückkehrte, trug ich eine Last in mir, die mich viele Nächte um den Schlaf brachte.
Drei Dinge waren es, die mich quälten und mir keine Ruhe ließen:
- das Bild der Baumwipfel Sekunden vor dem Absturz,
- der beißende Geruch des ausströmenden Kerosins,
- und – am schwersten zu ertragen – der Gedanke daran, Harald dort oben verloren zu haben, ohne etwas dagegen tun zu können.
Diese Erinnerungen haben sich tief in mein Innerstes eingebrannt. Ich wusste, wenn ich nicht sofort Hilfe annahm, würde mich dieses Trauma verschlingen.
EMDR – Der erste Schritt zur Heilung
Über den Kontakt der Ärztin im Krankenhaus fand ich den Weg zu Frau Willfinger und den in eine EMDR-Therapie.
Heute kann ich mit absoluter Überzeugung sagen: es war das Beste, was mir passieren konnte.
In meinem Buch beschreibe ich diese Art der Therapie im Detail, doch möchte ich hier betonen – für genau diese Art von Trauma gab es für mich in diesem Moment keine wirksamere Methode.
Auch wenn ich damals überhaupt nicht wusste um was es bei dieser Art der Therapie ging.
Natürlich blieben seelische Narben. Eine Therapie allein konnte nicht alles heilen. Doch sie öffnete mir die Tür, den Weg zurück ins Leben Schritt für Schritt zu gehen.


Viele kleine Puzzleteile
Wenn ich heute zurückblicke, dann war es eine Kombination aus vielen kleinen Bausteinen, die mich stabilisiert und letztlich gerettet haben.
Meine Geschichte erzählen: Jedes Mal, wenn ich sie jemandem anvertraute, fühlte es sich an, als würde ein Teil der Last von meinen Schultern genommen.
Mein Tattoo: So unscheinbar es für andere scheinen mag, für mich war es ein wichtiges Symbol, ein Stück Verarbeitung auf meiner Haut.
Das Schreiben: Was mit einem einzelnen Kapitel begann, wurde zu einer Art Schmerztherapie. Während ich schrieb, durfte ich loslassen.
Es war nicht einfach, zu Papier zu bringen, wie ich Harald dort oben zurücklassen musste, um Hilfe zu holen.
Doch heute weiß ich: Es war die einzig richtige Entscheidung. Schreiben bedeutete für mich Befreiung.
Mit jeder Silbe, die ich in die Tastatur tippte, floss ein Stück Schmerz aus meinem Inneren hinaus. Nicht selten liefen mir die Tränen über die Wangen – und trotzdem fühlte es sich heilsam an.
Psychotherapie – der letzte Schritt zur Klarheit
Auch nach drei Jahren trug ich noch Zweifel und Schuldgefühle in mir.
Erst durch eine erneute Psychotherapie konnte ich die letzten offenen Fragen in mir sortieren und mein Handeln von damals in ein klares, gesundes Verhältnis bringen.
Heute – Leben im seelischen Einklang
Heute kann ich sagen: Ich bin wieder im Einklang mit mir selbst. Natürlich denke ich an den Absturz.
Natürlich vermisse ich Harald – fast keinen Tag vergeht ohne diesen Gedanken. Doch ich habe gelernt, damit umzugehen, ohne daran zu zerbrechen.
Ich habe gelernt, dass Heilung nicht über Nacht geschieht, sondern ein Prozess ist.
Ein Mosaik aus vielen kleinen Schritten, aus Mut, aus Vertrauen – und aus der Bereitschaft, Hilfe anzunehmen.
Und genau das möchte ich weitergeben:
Wenn du gerade denkst, dass es keinen Ausweg gibt – glaub mir, es gibt ihn. Er sieht vielleicht anders aus, als du es dir jetzt vorstellen kannst. Aber Schritt für Schritt wirst auch du leichter atmen können.
